Statement

Statement

possessed by a fury that burns from inside (1994)

Es hat immer etwas zwiespältiges, wenn Bands, die es schon seit langer Zeit nicht mehr gibt, irgendwelche vergilbten Aufnahmen 'rausgeben.Solche "Remakes" überschwemmen den Markt und die Seiten der Musikzeitschriften, in denen frisches Musikerlnnen-Blut abgefeiert werden sollte.

Der Anlass, aus dem heraus diese Veröffentlichung geschieht, ist ein trauriger. Urs Schwaller,unser langjähriger Bassist, Roadie, Guru, Nervensäge und meistens "Mädchen für alles", ist diesen Januar, 1994, an einer Gehirnblutung gestorben, welche die Spätfolge eines Überfalls in Spanien vor zwei Jahren war, als Fascho-Skins ein besetztes Haus stürmten und die Leute dort mit Baseballschlägern zusammenschlugen.

Ein weiterer Antrieb war/ ist, dass diese für uns chaotische & intensive Zeit, geprägt von einer Aufbruchstimmung in Zusammenhang mit dem Zaffaraya-Bern/ der Alten Stadtgärtnerei-Basel auch Wohlgroth-Zürich, danach schrie, irgendwie aufgearbeitet zu werden. Das hört sich nach Abgesang oder Rückzug an - ist es nicht! Aber all die losen Zettel, Flyers, Reviews, Bilder,unveröffentlichte Stücke in einen Zusammenhang zu bringen, sich eine Übersicht zu verschaffen - was haben wir eigentlich gemacht? ... etwas dazugelernt? darum geht es hier. It's personal stuff!

insects

Klar, das Leben geht weiter (immer heiter). Aber niemand ist Nihilist genug, das Gewesene so zu verdrängen, dass es die Gegenwart nicht beeinflusst.

Neue Projekte/ Bands wurden zum Leben erweckt: Dominique spielt mit DWARFISH, Joke treibt sein Unwesen als SUDDEN INFANT und mit der SCHIMPFLUCH-Gruppe, und meine Wenigkeit mit RELIGIOUS OVERDOSE und DESTROY AFTER USE.

So gesehen steht JAYWALKER als Synonym der Suche nach dem etwas anderen, Grenzen zu durchbrechen oder (Gehirn-)Schranken gar nicht erst aufzubauen.
Ich hoffe, Ihr empfindet es genauso.

Die "Philosophie", die hinter Jaywalker/ Aural Exciter F. steht, haben wir meiner MEINUNG nach, in einem "Info" von '91 ganz gut erklärt:

"Wir versuchen nicht in den Sog und in die Abhängigkeit des Rockmerchandisings zu geraten, das mittlerweile jegliche Sparten progressiver Musik heimgesucht hat; von Hardcore bis ... ? Wir wollen uns nicht verkaufen (unsere Produkte natürlich schon), wollen uns nicht anbiedern für Konzerte oder bei den Vertrieben mit irgendwelchen anpreireisserischen Promo-Texten. Unsere Musik steht für uns, und entweder finden wir Freunde, Gleichgesinnte, die im Austausch mit uns arbeiten, oder dann geht's eben nicht.

insects

Das ist unsere Art in dieser verkommenen, in der übelsten Weise kapitalistisch denkenden Rock-oder-sonstwas-Szene zu bestehen, einen kleinen Schritt näher an unsere Vorstellung von einer internationalen Szene/ Gemeinschaft heranzukommen. Wir versuchen möglichst viel selbst zu machen, wie: Konzerte zu organisieren - für uns, für andere - Cover zu gestalten/ drucken, unsere und die der anderen zu vertreiben usw.

“Ehrliche Arbeit - ehrlicher Lohn?"